Diese Woche im Charging — 11.-17. Juli 2026. Unser wöchentlicher Überblick über die Stories, die die globale EV-Ladebranche bewegen.
Der globale Blick
Diese Woche hat die Ladebranche gemerkt: Infrastruktur zu bauen ist der einfache Teil — spannend wird es, wenn die Rechnung auf dem Tisch liegt. In China haben führende Hersteller von Lademodulen die Preise um 15% angehoben und verweisen auf stark gestiegene Kosten für Siliziumkarbid-Chips, PCBs und Kupfer. Das Timing ist exquisit: Schon jetzt arbeiten über 80% der chinesischen CPOs defizitär, und die Regierung hat gerade erst das Ziel von 40 Millionen Ladeeinrichtungen bis 2030 bekräftigt. Ambition trifft Margendruck.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sind die USA in das eingetreten, was Analysten „Charging 2.0“ nennen — die höfliche Umschreibung dafür, dass der Ausbau im Jahresvergleich um 10% gefallen ist, während die Sessions um 29% gestiegen sind. Weniger neue Ports, mehr Nutzung. Gleichzeitig hat Trumps One Big Beautiful Bill Berichten zufolge Clean-Energy-Projekte im Wert von $82.8 billion gestrichen oder verzögert, darunter auch EV-Infrastruktur. Das Vereinigte Königreich, nie um eine zusätzliche Hürde für die eigene EV-Transformation verlegen, hat ab 2028 eine kilometerbasierte Steuer auf Elektrofahrzeuge bestätigt — die dritte politische Volte in ebenso vielen Jahren für eine Branche, die ohnehin schon unter dem aufgeweichten ZEV-Mandat leidet.
Das Gegengewicht? Deutschland hat ein verbindliches Gesetz verabschiedet, das Ladepunkte in Neubauten vorschreibt. Indien hat allein für Delhi und Tamil Nadu 50,000 neue Ladepunkte zugesagt. Und BYD kündigte 6,000 fast-charging stations außerhalb Chinas bis März 2027 an — denn wenn deine Auslieferungen im Ausland im Jahresvergleich um 82.5% steigen, solltest du besser sicherstellen, dass deine Kunden bei Ankunft auch einstecken können. Die Geldfrage verschiebt sich: weg von „Wie bauen wir das?“ hin zu „Wer bezahlt das eigentlich — und wie viel?“
Europa
Die Fusion von Eviny und Mer, die wir vergangene Woche markiert haben, ist jetzt offiziell. Eviny Fast Charging und Statkrafts Mer werden unter dem Namen Eviny Elektrifisering zusammengeführt, mit Sitz in Bergen. Eviny hält 57%, Statkraft 43%. Das Ergebnis ist der größte fast-charging provider in der Nordics-Region mit mehr als einer Million Kunden. Mers deutsches Public-Charging-Geschäft wird später integriert, vorbehaltlich der kartellrechtlichen Freigabe. Wie unsere Pulse-basierte Bewertung des Deals nahelegte, sind die operativen Synergien real — offen bleibt aber, ob die Deal-Konditionen den tatsächlichen Netzwerkwert wirklich abbilden.
Deutschland hat derweil etwas Seltenes getan: Es hat ein Gesetz verabschiedet, das den Ladeausbau tatsächlich beschleunigen könnte. Die überarbeitete GEIG-Novelle verlangt nun mindestens einen Ladepunkt in jedem neuen Wohngebäude mit mehr als drei Stellplätzen. Ab Januar 2027 müssen bestehende Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen Ladepunkte oder Leerrohre installieren. Die Hälfte aller Stellplätze muss vorverkabelt sein. Das ist die konkretste gebäudebezogene Vorgabe in Europa — und sie verlagert die Infrastrukturlast ziemlich direkt auf Immobilieneigentümer.
Das Vereinigte Königreich hat eine kilometerbasierte EV-Steuer ab April 2028 bestätigt: 3 pence pro Meile für BEVs, 1.5p für PHEVs, zusätzlich zur regulären Kfz-Steuer. Nach 5,000 Konsultationsantworten und fast einhelligem Widerstand aus der Branche machte die Regierung nur kleinere Zugeständnisse — keine zusätzlichen Kilometerprüfungen für neuere Fahrzeuge und neue Reporting-Optionen für Flotten. Der Silberstreif? Eine parallele Planungsreform vereinfacht künftig das Laden über den Gehweg für Häuser ohne Einfahrt und könnte die EV-Betriebskosten für Millionen Bewohner von Reihenhäusern auf 2p pro Meile drücken. Die eine Hand besteuert, die andere löst Fesseln — klassische Westminster-Choreografie.
EO Car Chargers, der britische Anbieter für Home Charging, ist nach einem gescheiterten Verkaufsprozess in die Insolvenz gerutscht. Rund 90 Parteien wurden angesprochen — fast ohne Interesse. Trotz einer Rekapitalisierung über £10 million und dem Pivot zur Softwareplattform EO Cloud wurden die anhaltenden Verluste aus der internationalen Überexpansion zum Todesstoß. Noch ein Datenpunkt für die These, dass Execution — nicht Ambition — über das Überleben entscheidet.
Nordamerika
Die USA haben in Q2 2026 4,382 DC-Schnelllade-Ports hinzugefügt — 10% weniger als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr lagen die Zubauten 7.4% niedriger. Aber hier kommt der Twist: Die Sessions stiegen um 29%, und 72% der neuen Ports unterstützen inzwischen mindestens 250 kW. Tesla führte mit 1,185 neuen Ports oder 27% des Gesamtvolumens. Die Branche nennt das „Charging 2.0“ — die Verschiebung weg vom flächendeckenden Setzen von Pins auf der Landkarte hin zu weniger, besseren und stärker ausgelasteten Standorten. Diesen Reifebogen durchläuft jeder Infrastrukturmarkt irgendwann. Nur ist das Timing unerquicklich, wenn die Bundesunterstützung gerade verdampft.
Apropos Verdampfen: Ein Bericht der BlueGreen Alliance beziffert $82.8 billion an gestrichenen oder verzögerten Clean-Energy- und EV-Projekten im Zusammenhang mit dem One Big Beautiful Bill Act, der Anreize aus dem Inflation Reduction Act zurückgedreht hat, darunter den EV-Steuerbonus von $7,500. Weitere $695 billion an Investitionen sollen gefährdet sein. Ob die Methodik jeder Prüfung standhält oder nicht — das Richtungssignal ist unmissverständlich: Die USA verkürzen die politische Startbahn für EV-Infrastruktur aktiv.
Etwas heller sieht es im Hafen von Los Angeles aus, der ein $75 million-Programm für batterieelektrische Class-8-Drayage-Trucks gestartet hat, mit bis zu $300,000 Förderung pro Fahrzeug. Das erinnert daran: Während sich die Bundespolitik zurückzieht, schreiben Hafenbehörden und Bundesstaaten weiter Schecks — denn emissionsfreier Güterverkehr ist nicht optional, wenn deine Nachbarn die Abgase einatmen.
China
Chinas 15. Fünfjahresplan zur Ausweitung des Konsums hat die Zahlen festgezurrt, über die wir erstmals am 3. Juli berichtet haben: rund 40 Millionen Ladeeinrichtungen bis 2030, darunter 9 Millionen öffentliche Säulen mit 500 million kW Leistung, für mehr als 100 Millionen EVs. Das Ausmaß bleibt gewaltig — allein der Ladeverbrauch im April lag in China bei 14.5 TWh, das entspricht 70% des gesamten monatlichen Stromverbrauchs Spaniens.
Doch die Ökonomie ist gerade härter geworden. Führende Modulhersteller wie UUGreenPower und Tonghe Technology haben die Preise um 15% erhöht und verweisen auf stark gestiegene Kosten für PCBs, Siliziumkarbid-Chips und Kupfer. Da Lademodule 45-55% der Hardwarekosten von DC-Chargern ausmachen, wird der Anstieg über die Equipment-Hersteller bis zu den Betreibern durchgereicht — von denen schon heute über 80% Verluste schreiben, bei einer durchschnittlichen Stationsauslastung von nur 6.2%. Die Rechnung ist brutal: 40 Millionen Ladeeinrichtungen bauen, während die Hardwarekosten steigen und die Stückökonomie fällt. Irgendwo muss es knallen — wahrscheinlich bei den Endkundenpreisen in den Spitzenzeiten.
CATL hat das Wettrüsten bei der Hardware weiter angeheizt — mit einer 8C-Ultra-Fast-Charging-Batterie für leichte Nutzfahrzeug-EVs, die von 20-80% in unter sieben Minuten lädt, flankiert von Plänen für 4,000 integrierte Lade- und Swap-Stationen in 190 chinesischen Städten noch in diesem Jahr. Gleichzeitig bestätigte BYD Pläne für 6,000 fast-charging stations außerhalb Chinas bis März 2027 — 3,000 in Europa, 2,000 in den Amerikas, 1,000 in Asien-Pazifik. Mit 471,000 Auslieferungen im Ausland in H1 2026 (plus 82.5%) baut BYD jetzt das Tankstellennetz zur eigenen Exportmaschine gleich mit.
Indien
Indien hat diese Woche genug Ladeziele angekündigt, um damit das Taj Mahal zu tapezieren. Delhis EV Policy 2026 — über die wir erstmals im Juni berichtet haben — ist jetzt aktiv und zielt auf 30,000 Ladepunkte, unterlegt mit ₹15,000 crore Finanzierung. 30% davon sind als DC fast chargers an Highways und Metrostationen vorgesehen. Der Ehrgeiz ist real, die Historie aber auch: Eine Studie aus 2024 zeigte, dass 84% der bestehenden öffentlichen Ladepunkte in Delhi nicht funktionsfähig waren, bei Preisen zwischen ₹10 und ₹100 pro Einheit. Ausbau ohne Zuverlässigkeit ist bloß Dekoration.
Tamil Nadu legte mit 20,000 Stationen bis 2031 nach und übernimmt dabei Keralas kosteneffizientes Modell für mastmontierte Charger sowie Karnatakas PPP-Playbook. Der Bundesstaat kommt aktuell auf einen öffentlichen Charger je 254 EVs — besser als der nationale Durchschnitt, aber immer noch hinter Karnatakas Verhältnis von 1:104. Die indische Zentralregierung hat außerdem den Staatskonzern BHEL mit dem Bau von Indiens ersten heimischen 360 kW fast chargers für elektrische Trucks und Busse beauftragt — ein strategischer Schritt, um die Abhängigkeit von ABB und Delta zu verringern. Der schwierige Teil bleibt allerdings die heimische Beschaffung spezialisierter Halbleiter.
Restliches Asien
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung lieferte den auffälligsten Vorschlag der Woche: tagsüber EV-Laden fast kostenlos machen, indem überschüssiger Strom aus Nebenzeiten zu Ladepunkten umgeleitet wird. Ab dem 1. August will die Regierung die Preisgestaltung an öffentlichen Ladepunkten mit einem Fünf-Stufen-System überarbeiten und die Tarife für AC-Lader um rund 9% senken. Die Idee ist elegant — Überkapazitäten im Netz als EV-Adoptionssubvention nutzen. Nur werden die Details von „fast kostenlos“ meist ziemlich teuer, sobald man sie auf Millionen Fahrzeuge skaliert.
Im Anschluss an unsere Berichterstattung von letzter Woche hat Grab seinen Ladevorstoß in Vietnam bestätigt: von 400 auf mehr als 6,000 Ports bis 2028, fast die Hälfte davon in Hanoi. Das Netz ist markenagnostisch — ein deutlicher Kontrast zu VinFasts dominantem, aber exklusivem Netzwerk mit 150,000 Ports. In Singapur wurde in Jurong der größte Ladehub für kommerzielle EVs eröffnet, mit 46 Schnellladepunkten. Das erhöht die Ladeleistung für schwere Fahrzeuge im Stadtstaat um 30%.
Ozeanien
Australiens EV-Markt hat erreicht, was Analysten einen Tipping Point nennen: EVs und PHEVs kamen im Juni 2026 auf 35.8% der Neuzulassungen bei Pkw, nach 11% ein Jahr zuvor. Auf der Angebotsseite dominieren inzwischen chinesische Marken. Doch bei der Infrastruktur hinkt das Land hinterher — Australien liegt bei Ladepunkten pro EV weltweit fast am Ende, nur vor Neuseeland.
Jet-Charge-CEO Tim Washington argumentierte, dass Qualität wichtiger ist als Quantität. Seine These: Australien kann die Fehler der Vorreiter überspringen, wenn es Zuverlässigkeit über reine Ausbauzahlen stellt. Das ist dieselbe „Charging 2.0“-Botschaft, die auch aus den US-Daten spricht — nur versucht Australien, die Lektion vor den Fehlern zu lernen statt danach. Ob das gelingt, ist eine ganz andere Frage.
Südamerika
Kolumbien war diese Woche der stille Beweger: Das in Cali ansässige Unternehmen Inpel plant 400 öffentliche Ladepunkte im ganzen Land innerhalb von zwei Jahren und zielt damit auf eine Infrastrukturlücke, während die Verkäufe reiner Elektroautos im Jahresvergleich um 235% gestiegen sind. Eine Einkommensteuerabzugsmöglichkeit von 50% und 0% Mehrwertsteuer auf Ladeequipment bis 2027 leisten dabei die Schwerstarbeit. In Brasilien brachte Fluke den tragbaren FEV500-Analysator für DC fast chargers auf den Markt — ein Tool, das Stationen validiert, ohne dass vor Ort ein EV nötig ist — für einen Markt, der im April mit 38,516 EV-Neuzulassungen einen Rekord erreichte.
Afrika
Ostafrika lieferte die bodenständigste Story der Woche — im wörtlichen Sinn. Fahrer elektrischer Trucks in Ruanda berichten, dass ihre Fahrzeuge bei 35-40 Tonnen mit Diesel bei der Nutzlast mithalten und die Betriebskosten dabei ungefähr halbieren: Eine Hin- und Rückfahrt von Kigali nach Rubavu kostet weniger als Rwf300,000 an Strom gegenüber Rwf580,000 für Diesel. Kabisa hat e-trucks auf Routen durch fünf Länder und über bis zu 4,730 km im Einsatz. Fast Charger entlang ostafrikanischer Korridore drücken die Ladezeiten auf rund zwei Stunden. Während Europa über CPO-Rentabilität debattiert und China mit Modulpreisen ringt, beantwortet Ostafrika die einfachste Frage im Geschäft: Spart es Geld? Ja. Nächste Frage.
Diese Woche im Charging erscheint jeden Freitag. Wir fassen darin die wichtigsten Nachrichten der vergangenen sieben Tage zur EV-Ladeinfrastruktur zusammen, basierend auf unserem globalen News-Intelligence-Feed. Registriere dich für deine kostenlose 7-Tage-Testversion und hol dir deinen täglichen persönlichen Newsletter plus alle anderen Goodies auf unserer Website.