Jeder hat eine Meinung dazu, wo EV-Lader stehen sollten. Wir haben Daten.
Wir haben drei der bekanntesten Standortnetze Deutschlands unter die Lupe genommen — Lidl-Supermärkte, McDonald's-Restaurants und Autobahn-Raststätten — und sie mit unserem ML-basierten Standort-Scoring-Modell auf ihr Potenzial für EV-Schnellladen bewertet. Keine Stichprobe. Der komplette Datensatz: 3193 Lidl-Filialen, 1343 McDonald's und 802 Autobahn-Raststätten.
Das Modell bewertet jeden Standort anhand von 20 Merkmalen aus den Bereichen Verkehr, Amenities und bestehende Laderdichte und gibt am Ende genau eine Zahl aus: den location score. Je höher, desto mehr Potenzial für einen DC fast charger. Mehr zur Methodik findest du unter Location score: die Kennzahl, die den Erfolg von CPOs vorhersagt.
Die wichtigsten Zahlen
McDonald's führt mit 2.558, gefolgt von Lidl mit 2.318 und Autobahn-Raststätten mit 2.109. Die rote gestrichelte Linie markiert den Durchschnitt bereits ausgerollter DC charging stations in Deutschland (2.52). Dieser Wert ist nicht ohne Grund hoch: Er spiegelt tausende einzelne Investitionsentscheidungen von CPOs wider, die aktiv entschieden haben, wo sie ihre Hardware platzieren. Das bestehende deutsche DC-Netz ist insgesamt gut positioniert — Betreiber waren ziemlich gut darin, sich die Rosinen herauszupicken.
47.3% der McDonald's- und 34.6% der Lidl-Standorte erreichen oder übertreffen bereits den Durchschnitt von DC-Stationen — ohne dass irgendjemand sie fürs Laden optimiert hätte. Bei Autobahn-Raststätten sind es 26.2%.
Portfolioqualität: Wer hat die meisten Nieten?
Durchschnittswerte verdecken die Streuung. Die Verteilung über die Buckets zeigt, welche Marke die stabilste Qualitätsuntergrenze hat — und welche den längsten Schwanz schwacher Standorte mitzieht.
McDonald's hat die engste Verteilung: 49.4% der Standorte landen im Bereich „Good“ (1.5–2.5), und nur 0.0% liegen unter 0.8. Genau 0 von 1343 Restaurants fallen in die Kategorie „Poor“. Ihre Standortwahl ist bemerkenswert konsistent — stark befahrene Ausfallstraßen, von der Autobahn gut sichtbar, umgeben von gewerblicher Aktivität.
Lidl hat die höchste Obergrenze. 35.8% der Filialen erreichen „Excellent“ — das sind 1143 Standorte über 2.5. Gleichzeitig gibt es aber auch 9 Filialen (0.3%) im Bucket „Poor“. Das ist die Spannweite zwischen einem Lidl in einem belebten suburbanen Retail Park und einem Lidl in einer kleinen ländlichen Stadt.
Autobahn-Raststätten sind am stärksten bottom-heavy. Nur 27.7% erreichen „Excellent“ — der niedrigste Wert der drei — während 17.0% im Bereich „Below average“ liegen. Reine Autobahnstandorte punkten beim Verkehr, aber schwächeln bei den umliegenden Amenities.
| Bucket | Lidl | McDonald's | Autobahn |
|---|---|---|---|
| Poor (< 0.8) | 9 (0.3%) | 0 (0.0%) | 10 (1.2%) |
| Unter Durchschnitt (0.8–1.5) | 339 (10.6%) | 24 (1.8%) | 136 (17.0%) |
| Good (1.5–2.5) | 1702 (53.3%) | 664 (49.4%) | 434 (54.1%) |
| Excellent (> 2.5) | 1143 (35.8%) | 655 (48.8%) | 222 (27.7%) |
Was den Score jeder Marke treibt
Der location score basiert auf 20 Merkmalen, gruppiert in drei Kategorien: Verkehr (Straßenaufkommen), Amenities (nahegelegene Geschäfte, Restaurants, Tankstellen) und Wettbewerb (bestehende DC-Lader). Die SHAP-Aufschlüsselung zeigt, wie stark jede Kategorie den durchschnittlichen Score einer Marke nach oben oder unten zieht.
Wettbewerb ist bei allen drei der größte positive Treiber — nicht weil Wettbewerb hilft, sondern weil eine hohe Laderdichte mit Gebieten hoher Nachfrage korreliert. Es ist ein Proxy-Signal: Wo bereits Lader stehen, gibt es bereits Nachfrage.
Die eigentliche Trennlinie verläuft bei Verkehr vs. Amenities. Autobahn-Raststätten bekommen mit Abstand den stärksten Boost aus dem Verkehr — sie liegen an Deutschlands meistbefahrenen Straßen mit einem durchschnittlichen Traffic-Score von 18913, fast dreimal so hoch wie Lidls 5977. Aber ihr Amenity-Beitrag liegt bei 0.0448. Ein Autobahn-Rastplatz hat vielleicht Kraftstoff und einen Burger King, aber das Modell zählt nur 158 POIs im Umkreis von 1 km gegenüber 932 bei McDonald's.
McDonald's bekommt das Beste aus beiden Welten: soliden Verkehr (Ausfallstraßen, autobahnnah) und dichte Amenity-Cluster. Ihre Standorte kommen im Schnitt auf 43 Food-POIs und 10 Retail-POIs im Umkreis von 1 km. Sie sind die Amenity — und rundherum gibt es noch mehr davon.
Lidl liegt in der Mitte. Weniger Verkehr als beide Wettbewerber (suburbane Lagen statt Ausfallstraßen), aber starke Amenity-Dichte. Lidl-Filialen clustern mit anderem Einzelhandel — der Aldi auf der anderen Straßenseite, ein DM nebenan, eine Bäckerei an der Ecke. Dieser Retail-Cluster-Effekt treibt ihren Amenity-SHAP-Beitrag auf 0.1553 — den höchsten der drei.
Die meisten dieser Standorte haben bereits Lader in der Nähe
96.3% der Lidl-Standorte und 99.3% der McDonald's-Standorte haben bereits DC fast charger im Umkreis von 5 km. Bei Autobahn-Raststätten sind es 96.8%. Durchschnittliche Entfernung zum nächsten DC-Lader: 0.47 km (McDonald's), 1.05 km (Lidl), 0.65 km (Autobahn).
Das heißt nicht, dass kein Platz für weitere Lader da ist. Es heißt, dass die Landnahmephase vorbei ist. Neue Rollouts an diesen Standorten konkurrieren mit bestehender Infrastruktur — und damit verschiebt sich der Business Case von „build it and they will come“ zu „build it better and they will switch“.
Bei Lidl läuft dieser Wettbewerb bereits. Das Unternehmen rollt an deutschen Filialen Lader aus, typischerweise 150 kW+ DC fast charger. Das Versprechen: laden, während du einkaufst. Ein 20–30-minütiger Wocheneinkauf passt perfekt zu einer Schnellladesession. Das ist ein Dwell-Time-Vorteil, mit dem keine Autobahn-Raststätte mithalten kann.
Autobahn-Raststätten haben einen anderen strukturellen Vorteil: Sie sind für Langstreckenfahrer, die unterwegs laden müssen, die einzige Option. Wettbewerbsmetriken zählen weniger, wenn die Alternative ein 15 km langer Umweg von der Autobahn ist.
Drei Strategien, drei Profile
Lidl hat das höchste Potenzial nach oben — 1143 Filialen mit Excellent-Score (35.8%). Die besten Standorte liegen in suburbanen Retail-Clustern mit starkem lokalem Verkehr. Aber die ländliche Präsenz drückt den Durchschnitt nach unten.
Autobahn-Raststätten haben den Verkehr, aber nicht die Amenities. Höchster durchschnittlicher Straßen-AADT, niedrigste POI-Dichte. Ihre Stärke ist captive demand: Langstreckenfahrer ohne Alternative.
Für CPOs, die Co-Location-Partnerschaften bewerten, bietet McDonald's die verlässlichsten Standorte mit hoher Qualität. Lidls oberstes Quartil ist schwer zu schlagen — und bringt die Dwell Time gleich mit. Autobahn-Raststätten bieten etwas, das beide anderen nicht können: garantierte Abdeckung entlang der Autobahnkorridore.
Destination Charging? Lidl. En-route Charging? Autobahn. Urbanes Fast Charging mit hoher Frequenz? McDonald's.
Bewerte deine eigenen Standorte
Für diese Analyse kam unser Standort-Scoring-Modell zum Einsatz, verfügbar für alle Chargalytics-Abonnenten. Bewerte beliebige Koordinaten in Europa, sieh dir die vollständige SHAP-Aufschlüsselung an und benchmarke dein Portfolio gegen den Markt.
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Lidl: 3193 Standorte (alle deutschen Lidl-Supermärkte in OpenStreetMap). McDonald's: 1343 Standorte (alle deutschen fast_food-Einträge). Autobahn-Raststätten: 802 Standorte via Overpass API (highway=services). Jeder Standort wurde mit unserem v10-ML-Modell bewertet, trainiert auf realen Ladesessionsdaten. SHAP-Werte wurden pro Standort berechnet und pro Marke gemittelt. Deutscher DC-Durchschnitt (2.52) basiert auf 20 855 Stationen mit max. Leistung ≥ 50 kW.